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Buchtipp zum Thema Trauma: Wenn Mütter nicht lieben.

Frauen befreien sich von den Fesseln der Kindheit

Eher zufällig bin ich auf dieses Buch gestoßen. Und es hat mich sofort fasziniert, denn das Thema Mutter ist ja immer da. Während meiner eigenen Erfahrung mit meinen Klienten, bei Aufstellungen und auch in Arbeitsgruppen ist „die Mutter“ sehr präsent. Das Buch bestätigt das, was ich mit vielen Frauen in Gesprächen zu diesem Thema erlebt habe. Außerdem liest sich das Buch klasse, denn die Autorin hat es sehr gut strukturiert. Daher möchte ich es hier in meinem neuen Trauma-Blog gerne vorstellen.

Die Therapeutin Susan Forward, die Autorin von „Wenn Mütter nicht lieben“, arbeitet seit über 35 Jahren immer wieder mit Frauen, die wegen einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung zu ihr kommen. „Liebe kann man das nicht nennen“, schreibt Susan über das Trauma, das viele Töchter und Söhne bewältigen müssen.

Sag bloß nichts Schlechtes über deine Mutter

Ich selbst setze mich mit meinen Klienten immer wieder mit dem Thema Trauma auseinander. Schließlich kommt nicht jeder gleich auf die Idee, überhaupt traumatisiert zu sein. In ihrem Buch hilft Susan zu Beginn erst einmal, die Verletzung durch die Mutter zu erkennen. Hier ermutigt sie ihre Leser dazu, sich zu trauen, ihr Innerstes freizugeben. Es ist ja immer noch ein Tabu, Schlechtes über die eigene Mutter zu sagen. Die Mutter ist heilig – so erlebe ich das sehr oft in meiner Arbeit.

Trauma erkennen

Das Buch erklärt sehr gut, was passiert, wenn die eigene Mutter keine Gefühle weitergibt. Dass körperliche Reaktionen auf diesen Liebesentzug absolut normal sind. Trauma ist ein inneres Gefühl: „Ich bin nicht richtig, mit mir stimmt etwas nicht“.  Doch es ist eine ganz normale Reaktion auf „nicht normales“ Verhalten (von außen). Ganz anschaulich zeigt Susan anhand von Fallbeispielen die Symptome des Traumas. Etwa die hochgradig narzisstische Mutter. Und andere Mutter-Typen: die kontrollsüchtige, die Mutter, die sich überall einmischt oder die, die Bemutterung braucht. Und die Mütter, die ihre Töchter vernachlässigen, verraten und verprügeln.

Verständlich erklärt mit Praxisbeispielen

Besonders gut gefällt mir an ihrem Buch, dass Susan so viele Beispiele aus ihrer Therapiearbeit einbringt. So hilft sie dem Leser zum Beispiel, Narzissmus zu verstehen. Auch ich lerne daraus wieder neue Ideen für meine Trauma-Arbeit kennen. Letztendlich ist alles, was sie in dem Buch „Wenn Mütter nicht lieben“ beschreibt, Trauma. Alle Geschichten hängen mit Trauma-Symptomen zusammen, die die Töchter erleben oder erlebt haben.

Trauma in der Kindheit: Entwicklungstrauma

Zu meiner eigenen Arbeit passt das Buch von Susan Forward deshalb so gut, weil auch ich immer wieder mit dem sogenannten Entwicklungstrauma zu tun habe. Dabei geht es darum, was durch das Verhalten zum Beispiel der Mutter in der kindlichen Entwicklung passiert – sei es auch „nur“ auf psychischer Ebene. So kann es dazu kommen, dass das Kind durch das Verhalten seiner Mutter traumatisiert ist. Viele kleine Erlebnisse können das Kind verletzen. Alles, was in diesem Buch beschrieben wird, sind Beispiele für Entwicklungstrauma. Kurz gesagt: Wenn Mütter nicht lieben… kann das Kind ein Entwicklungstrauma erleiden.

Aus therapeutischer Sicht hat mich dieses Buch in vielem bestätigt. Auch beim Aufstellen ist eigentlich meist die Mutter stellvertretend mit dabei. Ich empfehle es daher allen Frauen, die ähnliches erlebt haben. Denn beim Lesen entdeckt man Wege der Veränderung. Etwa: Ich habe das Recht, Nein zu sagen. Ich darf selbst entscheiden, wie meine Beziehung (zur Mutter) sein soll. Susan ermutigt dazu, diese Schritte der Veränderung zu gehen. Nichts zu verändern ist viel schlimmer!

Verletzungen erkennen – Narben heilen

Das Buch ist in zwei Teile aufgebaut. In der ersten Hälfte geht es darum, die Verletzung durch die Mutter überhaupt zu erkennen. Dabei nimmt man als Leser an den Therapiesitzungen teil und sieht die Verhaltensmuster der Mütter durch die Augen der Töchter. Im zweiten Teil zeigt Susan mit vielen Beispielen, wie die Narben von diesen Verletzungen geheilt werden können. Sie hilft dabei, das (krankhafte) Verhalten nicht nur mental, sondern auch emotional zu verstehen. Susan zeigt mit dem Blick in ihre Therapiesitzungen die Handlungswege, die sie ihren Klientinnen mitgegeben hat. Sie zeigt Wege, die fehlende Mutterliebe zu ersetzen. Und sie macht auch klar – und das ist mir in meiner therapeutischen Trauma-Arbeit auch sehr wichtig – dass die Tochter es aussprechen muss: „Ich wurde schlecht behandelt.“ Wenn die Klientin erkennt, dass sie das „Opfer“ ist und die Mutter der „Täter“, wenn sie das realisiert hat, dann kann sie das Trauma bewältigen.

Bin ich eine gute Mutter?

Das möchte ich auch meinen Klientinnen mit auf den Weg geben: Schließlich steckt in jeder Tochter grundsätzlich auch eine gute Mutter! Viele Frauen stellen sich die Frage: Bin ich eine gute Mutter? Sie machen sich Sorgen, ob sie 100 Prozent dessen geben können, was ihr Kind braucht. Wenn wir uns auf den Weg machen, unsere eigenen Themen zu bewältigen, schenken wir unseren Kindern die besten Voraussetzungen, sich emotional gesund zu entwickeln. Das Buch „Wenn Mütter nicht lieben“ kann ich allen empfehlen, die sich mit der Thematik der Mütter, die nicht lieben, beschäftigen.

Ihre Karina


zum Buch:

Susan Forward, Donna Frazier Glynn

Wenn Mütter nicht lieben
Töchter erkennen und überwinden die lebenslangen Folgen

Originaltitel: Mothers who can’t love
Originalverlag: Harper Collins, New York 2013
Aus dem Amerikanischen von Susanne Lötscher

Deutsche Erstausgabe

Taschenbuch, Broschur, 352 Seiten, 12,5 x 18,3 cm
ISBN: 978-3-442-17485-0
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empf. VK-Preis) empfohlener Verkaufspreis
Verlag: Goldmann

2 Kommentare

  1. Hallo Karina,
    du hast es sehr treffend auf den Punkt gebracht: „Die Mutter ist heilig“. Auch ich habe schon Aufstellungen miterlebt, und immer wieder war das Thema Mutter präsent. Dabei war das gar nicht immer so absehbar. Was auch immer man erlebt hat – wenn man erst einmal erkannt hat, wie sehr die Beziehung zur Mutter das eigene Leben beeinflusst, sollte man für sich selbst entscheiden, wie der Weg weiter geht. Erst einmal erkennen, dass man „traumatisiert“ ist, ist doch schon ein großer Schritt. Ich werde das Buch auch lesen und bin gespannt, ob es Antworten auf meine ganz persönliche Fragen liefert. Danke für den Tipp!

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  2. Danke für den Tipp.
    Das Mutterthema ist bei Frauen wie bei Männern elementar. Man kann nicht viel genug darüber wissen. In vielen Lebensbereichen spiegelt sich diese Mutter-Kind Beziehung wieder.

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